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Matterhorn durch die Zmuttnase

Freedom 8- A2 M5 Rainer Treppte und Robert Jasper


 

19.08.2001

Sonntag . 10 Uhr Treffpunkt Mövenpick mit Robert und Daniela und weiter geht’s nach Zermatt. Mit riesigen Rucksäcken ziehen wir in Richtung Hörnlihütte. Leider sieht das Wetter gar nicht gut aus und so entschließen wir uns, eine Nacht in der Hütte zu schlafen.

20.08.2001

Montag 10 Uhr. Es ist bewölkt, und leichter Schneefall lässt uns am Wetterdienst zweifeln. Aber am Nachmittag wird es langsam. Wir beschließen, 12 Uhr nachts loszugehen.. Das Wetter macht sich und als wir halb eins aus der Hörnlihütte treten, ist es sternenklar. 1 ½ Stunden später stehen wir unter der Zmuttnase. Robert führt die erste Länge und ich kann sehen, wie ich mit zwei Houlbags von insgesamt 70 kg zurechtkomme. Robert hat Stand und ich versuche, mit den Steigklemmen am Kletterseil nachzukommen. Erst jetzt beginnt das richtige Abenteuer. Irgendwie komme ich doch bei Robert am Stand an und bin schon nach 40 Metern völlig am Ende. Die 70 kg zerren dermaßen am Gurt, dass ich fast zweifle, ob wir je irgendwie weiterkommen. Aber die zweite Seillänge stimmt mich langsam für die nächsten Tage ein. Robert geht 40 Meter nach rechts und ich habe nun die Aufgabe, in dem 70 Grad steilen Kombigelände den Stand abzubauen und nachzukommen. Wäre ja alles nicht so schlimm, wenn nicht die zwei Houlbags mich unermüdlich nach unten ziehen würden. Irgendwie schaffe ich es dann doch, den Klemmkeil zu entfernen, der mir als Standplatzsicherung dient und schon geht’s ab. Ich renne, was das Zeug hält, und bleib natürlich mit den Steigeisen an den Houlbags hängen.. Weiter geht’s im Flug und 40 Meter unter Robert pendel ich aus. Als ich bei Robert am Stand ankomme, ernte ich nur ein Grinsen, was im Licht der Stirnlampe nicht gerade ermutigend wirkt. Nun bekomme ich auch noch das großzügige Angebot, die nächste Seillänge zu führen. Ich lehne dankend ab. Irgendwann bin ich trotzdem dran mit Führen und ich bin froh, die Drecksäcke Robert überlassen zu können. Es ist später Nachmittag, als wir die letzte Mixedlänge und die eigentliche Zmuttnase erreichen. Ich stehe 25 Meter links von Robert ohne Zwischensicherung und muss mich fragen, warum ausgerechnet ich jetzt das scharfe Ende des Seiles habe, wo ich doch mit einem der besten Mixedkletterer Deutschlands unterwegs bin. Endlich können wir unseren Biwakplatz einrichten. Er ist nicht günstig, aber die Zeit drängt, um noch mit etwas Tageslicht das Porterledge aufbauen zu können. Noch etwas Schnee in einen Plastiksack, damit wir nicht immer aus dem Zelt rausmüssen fürs Kochen und dann machen wir es uns im Zelt im Schlafsack gemütlich.



22.08.2001

Mittwoch um 9 Uhr kommen wir endlich los, aber schneller geht’s nicht. Vor allem ist es so kalt, dass an Klettern in Kletterschuhen gar nicht zu denken ist. Wir schätzen mindestens –10 Grad. Unser Porterledge ist innen total vereist. Die Kletterei ist psychisch ziemlich anspruchsvoll, so dass wir nur langsam vorwärts kommen.

23.08.2001

Donnerstag. Wir können uns noch so Mühe geben schneller fertig zu werden, es gelingt einfach nicht. Es sind so viele Dinge zu tun, bis alles wieder in den Säcken verstaut ist, dass wir nie vor 9:00 Uhr losklettern können.


Außerdem ist es saukalt und wir haben Angst uns Erfrierungen an den Zehen zuholen, wenn wir vormittags in Kletterschuhen klettern. Noch dazu bläst ständig dieser kalte Wind vom Gletscher unten hoch und man fühlt sich wie in einem Kamin. Erst am späten Nachmittag gegen 16:30 Uhr kommt die Sonne in die Nordwestwand der Zmuttnase und wir tauen etwas auf. Der Fels ist über weite Strecken erstaunlich gut und ab und zu kommt so etwas wie Freude beim Klettern auf. Nur dem Zweiten mit diesen zwei Säcken am Gurt ist es egal, ob Sonne oder nicht, es ist immer nur „so eine Sch.....“

24.08.2001

Freitag. Bestes Wetter, wieder saukalt und Robert kocht und bedient mich. Ich liege wie immer auf der anderen Seite des Eingangs - zum Glück, sonst wäre ja ich der Koch. Ein kümmerlicher Versuch von Robert unsere Schlafplätze zu tauschen, konnte ich schon am zweiten Abend vereiteln. Allerdings hat es auch einen großen Nachteil, außen zu liegen. Ich konnte immer erst als letzter in meinen Schlafsack kriechen, da der Koch alle möglichen Dinge von mir verlangte. Schnee zusammenkratzen, Klettermaterial sortieren, Seile wickeln und aufhängen, Kocher herrichten damit der Koch bequem hinkommt usw. Aber wenn dann das 5 Gänge Menü fertig war, saß auch ich in meinem Schlafsack. Mit dem 5 Gänge Menü ist nun leicht übertrieben. Klettertage hatten wir drei geplant und uns gesagt, dass wir den vierten auch ohne Essen auskommen. Nun war schon der vierte Tag vorbei und es gab noch eine Tomatensuppe.Ein Haselnusspudding und ein Riegel Powerbar musste fürs Frühstück bleiben..

 

25.08.2001

Samstag. Nach unserem ausgiebigen Frühstück, das nur fünf Minuten dauerte, starteten wir wie immer um 9:00 Uhr. Endlich war die Zmuttnase unter uns und nach der 5. Seillänge konnten wir auf den Zmuttgrat aussteigen. Bis zum Gipfel waren es aber immer noch drei Seillängen. Die verlangten uns wieder alles ab, da wir nun unsere knapp 60 kg auf dem Rücken tragen mussten.

16:00 Gipfel - und erst mal fällt alles von uns ab, was irgendwie Gewicht hat Wir fühlen uns frei, frei, frei. Im Getümmel auf dem Gipfel nimmt uns zunächst niemand so richtig wahr. Als die letzte italienische Seilschaft sich Richtung Tal aufmacht, werden wir noch schnell gefragt, was wir gemacht hätten. „New Route Zmutt Nose“ - kurze Antwort, lange Gesichter, dann Gratulation. Aber für uns ist es noch nicht vorbei. Wir sitzen noch eine Weile rum und uns graust es vor dem langen Abstieg über den Hörnligrat mit unseren verhassten Houlbags. Abgesehen davon, dass das Matterhorn nun eine neue, über 1000 Meter lange Route im rechten Teil der Nordwand mitten durch die Zmuttnase bekommen hat, war es ein Abenteuer der Extraklasse, das man nicht so schnell vergisst.

Rainer Treppte





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