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Fakten Bhagirathi III, Katalanenroute:


Höhe 6454m
Route Katalanenroute
Wandhöhe
1400 Meter
Erstbegehung Frühjahr 1985
Schwierigkeiten 7+ / A3
1.Wiederholung Herbst 1985
2.Wiederholung Frühjahr 1986
4. Begehung Herbst 2003 Rainer Treppte, Urs Stöcker, Simon Anthamatten
Dauer
18 Tage Kletterei in der Wand

 



Nachdem wir kurz vor unserer Abreise unser Ziel änderten und statt zum Meru nun an den Bhagirathi III wollten, war unsere Stimmung in Hochform. Unser Problem am Meru war, das zur gleichen Zeit ein amerikanisches Team um Konrad Anker am Meru Sharkfin zu gange war. Schlimmer noch das Permit der Amerikaner lief bis 25. September und erst dann begann unseres. Um eventuellen Unfrieden der deutsch/amerikanischen Freundschaft aus dem Wege zu gehen entschieden wir uns für den Bhagirathi III welchen ich von meiner Expedition im Jahr 2001 kannte. Damals konnten wir den Gipfel nicht erreichen, ich hatte also eh noch eine Rechnung offen. Anders als im Jahr 2001 wollten wir nun auf der Seite des Katalanenpfeilers nach einer neuen, freikletterbaren Linie in der gewaltigen Westwand suchen. Hochmotiviert standen wir schon am 14.09. acht Tage nach meiner Abreise in Deutschland, unter der beeindruckenden Westwand der Bhagirathi III. Schon jetzt mussten wir feststellen, dass es sehr schwierig sein würde eine möglichst frei kletterbare Linie neben der Katalanenroute zu finden. Die Struktur dieser Wand ist so kompakt das es nur wenig kletterbare Risse gibt. Ein durchgehendes System von Möglichkeiten zu klettern konnten wir nicht entdecken. Da unser Ziel nach wie vor war, eine möglichst frei kletterbare Route zu machen. Folgten wir nach drei Seillängen Neuland, den eher spärlichen Spuren der Katalanen. Erst in unserer fünften Seillänge wussten wir mit Sicherheit das wir die Route „Estrella Impsilble“ kletterten. Natürlich kletterten wir wo es ging frei. Teilweise gelangen uns mit A2 bewertete Seillängen frei zu klettern.

Am 23.09. sind wir 13 Tage im Gharwal Himalaya, haben unser ABC Lager auf 5000m eingerichtet uns sind gut aklimatisiert. Das Wetter war bis jetzt sehr unbeständig, es regnete und schneite oft und die Gipfel hüllten sich in die Wolken. Aber wir kamen gut voran und haben den ersten der drei markanten Pfeilern fast geschafft. Letzte Nacht hat es durchweg geschneit und an ein nach oben gehen ist nicht zu denken. Also sind wir schon bald unterwegs Richtung BC. Zwei Tage regnet es fast ununterbrochen und wir können endlich mal etwas ausruhen.

Samstag 27.09. Wir sind wieder in der Wand es bläst ein starker Wind und es ist sehr, sehr kalt. Das Thermometer von Simon zeigte im Zelt –10 °C. Wir jümaren ans Ende unserer Fixseile und weiter geht es. Das Klettern in Kletterfinken konnten wir vergessen, wir haben eiskalte Füße, müssen die Plastikschuhe anlassen, und klettern dem entsprechend schlecht. Alle kletterbaren Risse sind voll Schnee und Eis, bevor man den nächsten Meter klettern kann muss mit dem Hammer erst mal freigeräumt werden. So kommen wir nur sehr langsam vorwärts und sind froh wenn zwei Seillängen am Tag geschafft sind. Zwei Tage später nach einer kalten und stürmischen Nacht im ABC sieht das Wetter sehr schlecht aus. Also raus aus dem Schlafsack und nichts wie runter ins BC. Dort lassen wir uns von unserem Koch Dawa mit 3 bis 4 Gänge Menüs verwöhnen. Aber schon am nächsten Tag, es ist Dienstag der 30.09. starten wir früh und sind sechs Stunden später an unserem höchsten Punkt in der Wand. Heute führt Urs und wir erreichen endlich einen geeigneten Biwakplatz auf dem zweiten Pfeiler. Wir sind uns einig, dass es von hier auf ca 5800 m Höhe möglich sein muß an einem Tag zum Gipfel zu steigen. Nach den nächsten sechs Seillängen sollten wir, endlich das kombinierte Gelände erreichen. Allerdings sind unter den letzten sechs längen im Fels noch zwei schwierige A2 bzw. A3 Längen. Wir haben nun komplett unsere 600 m Fixseil und Kletterseile fixiert. Am vierten Tag, nach drei harten Klettertagen schuften wir nochmals gewaltig bis zu unserem Biwakplatz. Porterledges, Schlafsäcke, Gas und Kocher, Essen für vier Tage und viele wichtigen Kleinigkeiten müssen nach oben. Irgendwann ist es aber geschafft und für einen Gipfeldurchstieg ist alles bereit. Alle drei sind wir nach vier Tagen in der Wand ziemlich kaputt und gönnen uns zwei Ruhetage im Basislager. Dawa und Rasul unsere Köche bekochen uns wieder bestens und wir erholen uns gut. Am Montag dem 6.10. starten wir früh im BC machen eine kurze Pause in unserem ABC und weiter geht’s die Fixseile hoch ins Biwak auf dem zweiten Pfeiler. Ich baue die Porterledges auf und richte alles zum biwakieren ein, während Urs mit Simon noch eine weitere A 2 Seillänge klettern und mit dem Kletterseil fixieren. Es ist schon dunkel als sie endlich an den Seilen zu mir herunterschweben. Nach einer eiskalten Nacht im Porterledge auf knapp 6000m bin ich wieder mal dran mit vorsteigen. Die größten technischen Schwierigkeiten sind geschafft und nach zwei Seillängen klettere ich einen senkrechten Eisschlauch folgend, bis zum Beginn des kombinierten Geländes. Von hier wollen wir es in einem Zug zum Gipfel schaffen. Also fixieren wir unsere Zwillingsseile welche wir extra für den Gipfeldurchstieg mitgenommen haben und seilen wieder zu unserem Porterledges ab. Simon, hatte heute etwas Ruhe und war fürs Kochen zuständig. Also hocken wir uns gleich in den Schlafsack und lassen uns bedienen. Natürlich gibt es wie immer Travelllunch von Simpert Reiter. Die Favoriten sind Spagetti Napoli, Tomaten und Hühnersuppe.

Mittwoch 08.10. Es ist wieder grausig kalt aber wir kennen es schon lange nicht mehr anders. Jeder von uns dreien packt seinen Rucksack und bald bin ich mit Simon und Urs am Ende unserer fixierten Seile. Heute führt Simon, das nun folgende kombinierte Gelände ist schwierig und steil. Es bläst ein erbarmungsloser Wind und am Standplatz ist es deshalb ziemlich ungemütlich. Außerdem deckt uns Simon von oben mit Salven von Eisbrocken und Schnee ein. So klettern wir Seillänge für Seillänge. Simon voraus ich mit Rucksack hinterher. Urs hat heute den härtesten Job. Während ich unser Sicherungsmaterial wieder entferne, darf er zu seinem Rucksack noch Simons nehmen. So jümart er an seinem dünnen Seil mit zwei Rucksäcken nach. Es ist die schnellste Methode in Dreierseilschaft zu klettern, da beide Nachsteiger gleichzeitig gehen. Die letzten 120 m der Gipfelwand erfordern volle Konzentration. Simon kann nach 60 Metern keinen Stand machen. Das Eis ist zu schlecht und der Fells alles andere als zuverlässig. Ohne Zwischensicherung steht Simon oben, legt einen kleinen gelben Camelot zur psychischen Stärkung in ein fadenscheiniges Rißlein und nach kurzer Verständigung mit uns geht es weiter. Ich klettere jetzt von Urs gesichert nach bis auch der zweite Strang unseres Zwillingsseiles aus ist. Genau in diesem Moment erreicht Simon einen Felsblock wo er einen guten Camelot versenken kann. Nun kann Urs den unteren letzten Stand abbauen und nachjümaren. Gerade als Urs sich voll ins Seil hängt reißt neben mir der kleine gelbe Camelot aus und wir beide hängen 5 Meter tiefer. Nach der kurzen Adrenalindusche binde ich mich aus dem Seil aus und steige mit meiner Steigklemme nach oben. Simon oben am Grat hat davon gar nichts mitbekommen. Urs kommt auch nach oben und 200 Meter unter dem Gipfel haben wir alle Schwierigkeiten der Westwand unter uns gelassen. Ein wahnsinns Sturm tobt das wir fast unser eigenes Wort nicht verstehen. Um auf dem Gipfel zu steigen ist es zu spät zum kochen zu stürmisch und zum schlafen zu kalt. Also bauen wir noch etwas am Biwakplatz und dann rein in den Schlafsack. Jeder knabbert noch an einem harten Powerbar und eng zusammengerückt warten wir auf den nächsten Tag. Aber wie immer gehen auch solche Nächte vorbei, wenn auch wesentlich langsamer als daheim im Bett.

Donnerstag der 9.10.03, 10.30 Uhr. Drei verfrorene zusammengeschundene Typen stehen auf dem Gipfel des Bhagirathi III, haben ein verbissenes Grinsen im Gesicht und können sich noch nicht richtig freuen. Ein 10 stündiger über 2000m hoher Abstieg in ihr Basislager liegt noch vor ihnen. Sie haben nur einen Gedanken. „Morgen Früh können wir ausschlafen, wir werden von der Sonne geweckt weil sie unser Zelt aufwärmt und Dawa der Koch macht uns Pancake“.

Das sie zwei Tage später wieder in die Wand einsteigen müssen, um ihre Fixseile, Porterledges usw. herunterzuholen verdrängen sie und schauen neidisch vier riesigen Kreaturen nach welche zwanzig Meter über ihnen, scheinbar schwerelos durch die Luft gleiten.


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