"Eternal Flame", Trango Tower, Karakorum/Pakistan (2000)
INSHALLA
„So
Gott will“
Das ist
ziemlich schnell unser Reisemotto geworden. In Pakistan ist alles
möglich aber auch alles unmöglich!
Zum
Beispiel,als wir......
Nun ja
fangen wir mal von vorne an.
Wir
damit meine ich –Steffen,Rüdiger,Urs, Markus und ich ,sind am
Morgen des 26.Juni 2000 in Islamabad gelandet. Am Flughafen wurden
wir von Butt,einer helfenden Hand des Trekkingbüros, Jens und
Michael, den ich auf Grund seiner pakistani Tracht kaum wieder
erkenne, abgeholt.
Dann
begann erst mal der „Stress“! Police-Registration, Geld wechseln,
und und und...auserdem die Ausrüstung und Verpflegung auf 25 kg
Stücke neu packen. Das Umpacken konnt allerdings nur mit einigen
Pausen erledigt werden,da unsere gesammte Ausrüstung im
Hinterhof vom Hotel Paradies Inn neben den verwesenden Abfällen
von diesem gelagert war.
Und das
alles bei 35° im Schatten.Wir hatten kaum Zeit zum telefonieren,
essen, schlafen,...einfach zu all den Sachen, die man nach 25 Stunden
„on the road“ so machen will.
Am
Morgen, nach 4 Stunden Schlaf, gings dann um 8 Uhr los Richtung
Karakorum. Unser Bus ein Vehikel aus grauer Vorzeit, bunt geschmückt
und behangen bis zum geht nicht mehr, begeisterte uns Anfangs seines
Ausehens wegen sehr. Mit von der Partie ist nun, Essa unser Koch,
Kamal der Küchenjunge und Abbid unser Licence Officer. Da unser
Ziel über 6000 Meter hoch ist und noch dazu in einer
Militärischem Sperrzone liegt, schreibt die pakistanische
Regierung eben einen solchen L.O. vor. Seine Aufgaben bestehen darin
,aufzupassen dass wir keine militärischen Einrichtungen
fotografieren, keine anderen Berge besteigen, außer den für
den wir bezahlt haben. Weiter ist er das Bindeglied zwischen der
Expedition und dem Militär welches im Notfall für eine
Helicopter-Rettung zuständig ist. Zu guter letzt soll er darauf
achten das wir keine Frauen fotografieren, welche allerdings sowiso
nicht zu sehen sind, und am Ende unseren Müll nicht am Berg oder
im Basislager zurücklassen. Den letzten Punkt nehmen einige
L.O.‘s leider auch Expeditionen nicht sehr ernst. Der Müll
wird oft nur hinter einen Felsblock geschmissen. Koreanische,
russische aber auch deutsche Aufschrift auf Dosen und Folien legen
schlechtes Zeugniss ab.
Die
Fahrt nach Skardu sollte ca. 20 Stundendauern. Wir fuhren und fuhren,
erst als wir in Chillas mit 7 Stunden Verspätung nachts 3 Uhr
ankamen merkten wir das unser Gefährt altersschwach war. Also
beschlossen wir gleich weiterzufahren. So hofften alle Skardu in
weiteren 14 Stunden erreichen zu können.
INSHALLAH - So
Gott will!
Er
wollte nicht! Ca. 60 km vor unserem Ziel brach der Karren endgültig
zusammen. Kupplungs-oder Getriebeschaden oder war es sogar beides?
Na,ja
,nach 4 Stunden hatte unser L.O. einen LKW im nächsten Dorf
organisiert, welchen wir dann erst mal aus dem Sand befreien mußten,
wo er sich bei seinem Wendemanöver festgefahren hatte. 11 Leute
und unsere gesamte Ausrüstung auf die Pritsche des typisch
pakistanischem LKW’s, und weiter.Um Mitternacht nach 40 Stunden war
unser Abenteuer Karakorum Highway zu Ende. Wir waren auch am Ende und
fielen totmüde in die Hotelbetten.
Wärend
eines wohlverdienten Rasttag, in Skardu hieß es dann Ausrüstung
und Verpflegung auf dem Markt zu vervollständigen. Später
nochmal das Gepäck, auf Einzellstücke zu 25 kg überprüfen,
um unseren Trägern nicht mehr als zulässig aufzuladen. Am
Abend verladen wir unsere 1,5 Tonnen auf zwei Jeep’s, und 6°°
Uhr morgens geht es los in Richtung Askole. Es wäre natürlich
zu schön gewesen wenn alles reibungslos verlaufen wäre.
Aber nach 2,5 Stunden Fahrt schon der erste Road-Block! Die Straße
wurde auf einer Länge von 200 Metern von einem Erdrutsch
weggerissen. Für uns bedeutet dies wieder Schinderrei, denn alle
Gepäckstücke müssen rübergetragen werden. Zum
Glück ist auf der anderen Seite ein Jeep welcher uns weiter
bringt. Leider ist auf diesem Teilstück nur ein Jeep vorhanden
welcher nun die Arbeit von vier Jeep’s übernehmen muß.
Dafür wird die Straße immer abenteuerlicher. Oft gerade
mal so breit wie unser Fahrzeug und rechts bzw.links steil abfallend
zum Fluß, seine Stromschnellen wirkten nicht gerade beruhigend
auf uns. Der neue Fahrer wollte natürlich beweisen wie gut er
drauf ist, und wir waren alle froh als man aussteigen konnte.
Normalerweise legt man die Strecke von Skardu nach Askole in 5-6
Stunden zurück, aber was ist schon normal? Da die Straße
an zwei Stellen unterbrochen war, erreichten die letzten
Teammitglieder Askole erst um Mitternacht, nach 18 Stunden fahren,
warten und Nervenkitzel.
Es ist
Samstag der 1.Juli, mehrere Expeditionen sind in Askole angekommen,
und so haben sich über 300 Träger versammelt, und warteten
nun auf ihre Lasten. Für uns viel zu früh 6°° Uhr
werden wir von den aufgeregten Stimmen geweckt. Ich mache den
Reisverschluß unseres Zeltes auf und möchte ihn am
liebsten wieder schließen. Ungefähr zwanzig Pakistanis
hocken 3 Meter vor unserm Eingang, lachen mich an und reden auf mich
ein. Ich verstehe natürlich kein Wort. Jetzt sollte alles sehr
schnell gehen, da sich unsere freundlichen Helfer auf den Weg machen
wollen. Für uns alle war das Verteilen unserer Ausrüstung
ein aufregendes Erlebniss.
Als
unsere Tonnen und Seesäcke bis auf 5 verteilt waren und immer
noch ca. 20 Träger sich um uns trängten, hatten die Sirdare
und unser L.O. alle Hände voll zu tun, die schreienden Träger
von unseren Sachen fernzuhalten. Was erst wie Streit aussah, stellte
sich später als normal herraus und wiederhohlte sich die
folgenden Tage noch öfter.
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Für
die erste Tagesetappe nach Jollo waren 8 Stunden angesagt. Leicht
angeschlagen, durch eine Erkältung die fast alle von uns
erwischt hatte schlauchten uns die Tagesetappen ziemlich. Aber wir
hatten genügend Zeit, liefen
langsam, fotografierten und filmten, während wir dem Lauf des
Biafo-Flußes folgten.
Der
zweite Tag des Trekks führte uns von Jollo nach Paju. Mit
Christian versuchte ich, die Träger zu überhohlen, um sie
an geeigneter Stelle bei ihrem Knochenjob zu filmen.Sie legten ein
flottes Tempo vor, so das wir gut 3 Stunden brauchten um einen
kleinen Vorsprung herauszulaufen. Zehn Minuten nach dem wir die
Kamera aufgebaut hatten waren schon die Ersten da. Wir staunten immer
wieder über diese drahtigen und freundlichen Menschen, die mit
mehr als 25 kg auf dem Rücken in über 3000 Meter Höhe
immer noch lachen und singen können. Am
Nachmittag erreichen wir Paju, eine kleine grüne Oase und der
letzte Stop vor dem ewigen Eis des Baltoro Gletschers.Hier nutzen die
Expeditionen und Trekking-Gruppen in Richtung K 2 die Campingterassen
zu einem Rasttag.
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Wir
waren aber nur noch einen Tagesmarsch von unserem Ziel, dem Trango
Basislager entfernt und so ging es am nächsten Tag gleich
weiter. Der letzte Tag unseres Trekks war der Anstrengendste aber
auch der Schönste. Es wurde langsam interessant, in der Ferne
sah man den Gasherbrum 2 und die Trango Gruppe rückte näher.
Wir machten 500 Höhenmeter, erst über den Baltorro- und
dann entlang dem Trango-Gletschers. Nach 5 Stunden erreichten wir
einen kleinen See in 4400 m Höhe, an dem wir unser Basecamp für
die nächsten 4 Wochen aufschlugen.
Rings
um uns riesige Granitwände, so wie auf der einen Seite der Biaho
Tower und auf der anderen der Nameless-und Great Trango.
Jeder
von uns genoß den ersten Anblick „unseres“ Towers. Endlich
waren wir am Ziel, nach 7 Tagen konnten wir ausruhen.
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Aber
gleich stellten sich die nächsten Aufgaben ein. Akklimatisation
war angesagt und so fingen wir ziemlich bald an, erste Ausrüstung
z.B.Seile Zelte usw. in unser Lager 1, am Wandfuß des Nameless
zu tragen.
1200
Höhenmeter Geröllrinne bis ins Camp 1, drei Schritte vor
einen zurück. Jeder von uns mußte mindestens vier mal die
Schinderrinne hoch, um unsere ganzen Sachen pluß Proviant dort
oben zu deponieren. Die ersten zwei Tage gönnten wir uns den
Luxus von zwei Hochträgern, welche die Fixseile bis zu Camp 1
brachten. Abwechselnt schliefen unsere Teams in Camp 1,um sich zu
akklimatisieren.
Die
zwei stärksten Leute in den ersten zwei Wochen, Markus und
Rüdiger, kletterten schon am Vorbau. Brachten Fixseile an so daß
unser Materialtransport ins Camp 2 ohne Verzögerung weiterging.
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Den
Rhythmus an unseren Ruhetagen im Basislager bestimmte unser Koch Essa
mit seinen Mahlzeiten. Sonnst vertrieben wir uns die Zeit mit lesen,
Skat spielen oder Volleyball.
Endlich
war Camp 2 vollständig eingerichtet und wir alle freuten uns
auf’s Klettern in unseren Routen. Team Schweiz Markus und Urs
hatten sich die Jugoslawenroute vorgenommen.
Jens,
Michael und Rüdiger Team Sachsen und Steffen, Kameramann
Christian und ich Team Allgäu wollten
„ETERNAL
FLAME“ klettern. Diese Route so benannt nach
einem Song der Popgruppe THE BANGLES wurde im Jahr 1989 von den
Kletterlegenden Wolfgang Güllich und Kurt Albert und ihren
Freunden Christof Stiegler und Milan Sykora eröffnet.
Nach den 300 Metern Vorbau bis
zur Sonnenterrasse wo unser Camp 2 lag, folgen 700 m Rißkletterei
in fast durchgehend 8‘em Schwierigkeitsgrat. Über zwanzig Seillängen
in bestem Granit, steil, schwer zum selber absichern aber an den
wichtigen Stellen wie Standplätzen, Bohrhaken.Solche Informationen lassen
doch jedes Kletterherz die Frequenz erhöhen und die
Fingerspitzen schwitzen. Für mich war immer schon
klar, das diese Route ein lohnendes Ziel ist. So hatte ich auch keine Probleme Jens und Michael
im Sommer 1999 davon zu überzeugen.
Sonntag,den 17.07. das erste mal sind
alle acht Leute unserer Expedition wieder zusammen. Camp 2 hat
ausreichend Platz für drei Zelte. Leider war der Wettergott noch
nicht bereit uns eine Chance zu geben. Die Nacht schneite es stark
und wir Team Allgäu auch genannt die Alten hatten null Problem
am nächsten Tag ins Basecamp abzusteigen. Team Sachsen und
Schwyz auch genannt die Jungfüchse wollten unbedingt ausharren
und blieben in Camp 2.
Vier Tage später sind wir wieder
oben auf der Sonnenterrasse. Die Freunde konnten schon einige
Seillängen klettern, haben Seile fixiert und hoffen morgen zum
Gipfel klettern zu können.
Samstag der 22.07. acht Uhr, ich
klettere in der ersten Seillänge von ETERNAL FLAME „Give me
your hand“ Schwierigkeit 8. Steffen sichert nachdem er unseren
Houlbag hochgezogen hat, Christian hängt über mir in den
Fixseilen welche Micha, Jens und Rüdi reingehängt haben und
filmt.

„Verdammt nochmal“ aller fünf
sechs Meter muß ich mich ins Seil setzen und verschnaufen.
Nicht der Riß sondern die dünne Luft in 5700 m Höhe
zwingt mich dazu. Bumml (Christian) geht es wie mir. Nach dem Jümaren
(mit Steigklemmen an Statikseilen nach oben steigen) muß er
immer 5 Minuten warten bis sein Puls wieder runter, ist um
einigermaßen ruhig filmen zu können.
Fünf Seillängen können
wir klettern dann fängt es an zu schneien und wir seilen ab.
Unsere Freunde sind zu dieser Zeit schon weit oben und steigen weiter
zum Gipfel. Das Wetter macht immer mehr zu, und wir hoffen das bei
unseren Leuten oben alles klappt. Gegen 20°° Uhr hören
wir die ersten Stimmen „Seil frei“ usw. und wir fangen an Schnee
zu schmelzen um Tee zu kochen. Immer wieder schauen wir aus dem Zelt,
aber nichts zu sehen.
Schneesturm! Wir beneiden die Jungs
nicht. Endlich ist das erste Team da und wir können ihnen
gratulieren und Tee anbieten. Unsere Schweizer kämpfen sich noch
durch die Dunkelheit. Mitternacht sind auch sie endlich da und haben
sogar gleich ihre Fixseile abgebaut.
Der nächste Morgen sieht schlecht
aus, es schneit immer noch mit kurzen Unterbrechungen welche Team
Sachsen zum Abstieg ins Basecamp nutzt.
Markus und Urs seilen am Nachmittag ab.
Wir zwei Alten und Christian sind froh, nicht übers Wetter, aber
wir haben nun jeder ein Zelt, jeder einen Kocher, jeder zwei
Schlafsäcke und jeder zwei Matten. Essen in Hülle und
Fülle, Skatkarten, Bücher vom Krimmi bis Krakauer,
Schokolade leider keine Schweizer,Trockenobst und ne Menge guter
Laune.
Nach vier Tagen ist es so weit, 4 Uhr
30 piepst der Höhenmesser. Wie das so bei uns Alten ist, kommen
wir erst eine halbe Stunde später aus den Daunen, Markus würde
wieder schimpfen, aber er ist schon auf dem Weg in die Schweiz. Kurz
vor 6 Uhr hängt Christian die Stegklemme ins Seil, und es geht
los. Die Seile sind teilweise stark vereist. Am Ende der Fixseile
auf dem schrägem Absatz geht es
dann endlich mit klettern weiter. Unsere Haulbags, welche wir hier
deponiert hatten, werden ausgepackt. Das Kletterzeug wird sortiert,
Kletterschuhe an, Materialschlingen mit Friend’s und Klemmkeilen
umgehängt, Expressschlingen an den Gurt und so um fünf Kilo
schwerer klettere ich von Christian gesichert los. In der dreizehnten
Seillänge „A whole life so lonely“ nach 8 Metern
verjüngt sich der Riß auf 10 bis 5 Millimeter, jetzt
beginnt die Technok...e, und hält ziemlich auf.
Diese Art Kletterei funktioniert ziemlich schematisch.
Klemmkeil rein in den Riß, Schlinge einhängen,
reinsteigen, hochdrücken, nächsten Keil in den Riß,
mit dem Hammer draufdengeln, bis die Verformung anzeigt er könnte
halten, Schlinge einhängen, Fuß rein, hochdrücken,
Keil rein, Schlinge rein, Fuß rein, hochdrücken, Keil,
Hammer draufhaun, Schlinge Fuß, Finger einklemmen aua
hochdrücken neuen Keil, Hammer, Schlinge, Fuß, aua Finger
bluten, hochdrücken neuer Keil Schlinge Fuß aua, verdammt,
und die da unten am Stand schaun so gelangweilt und fragen noch ob
alles ok ist. Denen wird langsam kalt, und mir ist heiß.
Die darauf folgende Länge „Ease
the pain“ beginnt wie die eine endet, mit 20 Meter techno. Zwei,
einen halben Meter entfernte Rißspuren, die rechte anfangs als
Verschneidung. Ziemlich schwierig zum absichern da nur sehr schlechte
Friends und Klemmkeile unterzubringen sind und ich zu faul bin mir
unsere Haken hochzuziehen.

Hätte mich über zwei drei
Bohrhaken gefreut, womit es vielleicht sogar möglich wäre
diese Länge freizuklettern. Ich muß unweigerlich an Kurt
denken. Wie ist es ihm wohl damals ergangen, nur noch zu zweit ohne
Wissen über den Weiterweg. Wolfgang hatte sich bei einem Sturz
weiter unten, eine Bänderzerrung am Fuß geholt und hielt
sich mit Aspirin über Wasser, so mußte Kurt alles
vorsteigen. Harte Jungs, mit Softmusik von den Bangles in den Ohren.
Nach ca. 25 Metern endlich wieder ein
sicherer Friend und freie Kletterei.
Ich knall meine Hände in den Riß
und erinnere mich an meine Lehrjahre in Sachsen. Danke, Dieter List
und Wolfram Nolte für die vielen Unterrichts-stunden im
Rißklettern. Und denke daran wie ich vom Arzt krank-geschrieben
wurde, weil ich vom Rißklettern Sehnenscheidenenzündung
an beiden Armen hatte. Es hat sich gelohnt, ist wahrscheinlich sehr
unverständlich für Otto Normal aber manche Kletterer werden
mich verstehen. Nun bin ich wieder sicher und es geht etwas flotter
weiter zum nächstem Stand. Noch zwei Seillängen herrlicher
Handriß und die Hauptschwierigkeiten sind vorüber. Nun
folgten noch drei ein halb Seillängen kombiniertes Gelände,
auf einem großen Absatz treffen wir auf die Engländerroute.
Das Wetter macht mir etwas Sorgen und ich versuche Steffen
anzutreiben. Aber in seiner gewohnten ruhigen Art sagt er nur „das
zieht vorbei“ und tatsächlich haben wir Glück.
Dreißig Meter vorm Gipfel stehe
ich plötzlich in meinen Kletterschuhen ohne Handschuhe auf der
letzten Felskante, vor einem 50° Eisfeld. Der klägliche
Versuch meine Finger als Eisgeräte und die Zehen mit Gewalt als
Steigeisen zu gebrauchen, endete nach drei Metern. Vorsichtig
schleiche ich zurück und klettere 10 Meter zu meinem letzten
Friend ab. Fixiere mich dort und ziehe mir meine Plastikschuhe,
Steigeisen und Eisgeräte hoch.
17.30 Uhr stehe ich in der
Gipfelscharte, fixiere die Seile und steige die letzten 8 Meter zum
Gipfel. 18.00 Uhr sind wir drei alle oben und freuen uns über
den Ausblick zum K2, Broad Peak und Gasherbrum .
Christian unser Superhirn, hat an alles
gedacht und so schlürfen wir genüßlich eine Dose
Bier. Zum Glück ist es nur eine Dose sonnst hätten wir
wahrscheinlich auf dem Gipfel biwakiert. Eine halbe Stunde
fotografieren und filmen wir, dann geht’s wieder nach unten. Eine
Stunde später ist es stockdunkel und es geht nur noch mit
Duracell weiter. Gegen 22.00 Uhr sind wir in Camp 2, nach einem
wunderbaren Tee fallen wir in unsere Daunen, und schlafen tief wie
selten.
Nach einem Ruhetag in Camp 2, es ist
Samstag der 29.07.2000, hängen wir wieder in den Seilen und
jümaren nach oben. Wir wollen „Say my name“ klettern
und filmen. Ein Riß in knapp 6000 Meter Höhe mit bestem
Fels, und eine der Schlüssellängen . Pünktlich als die
Sonne gegen 10.00 Uhr um die Ecke kommt und den Fels wärmt, sind
wir auf dem Absatz.
Nun wird erst mal gemütlich
Brotzeit gemacht, wie immer gibt es POWER BAR. Wir haben Zeit und
bestes Wetter. Es macht großen Spaß, mal ganz ohne
Zeitdruck zu klettern, Christian kann in Ruhe filmen und
fotografieren.
Als alles im Kasten ist, seilen wir ab.
Die Fixseile werden abgebaut, und gleich in die Haulbags gestopft.
Gleichzeitig verabschiede ich mich vom Nameless Tower, es ist unser
letzter Tag in der Wand. Am untersten Stand bauen wir eine Seilbahn, und schicken
den Rucksack und die zwei Haulbags zur Sonnenterrasse.
Die nächsten Tage sind wir alle
voll beschäftigt unsere Sachen von Camp 1 und 2 ins Basecamp zu
schleppen.
Ein letzter Tag auf dem Trango
Gletscher, unsere Träger sind am Abend gekommen und irgendwie
freuen sich alle das es morgen nach Hause geht.
Wir sind uns alle einig das sich der
Streß mit den Vorbereitungen und die Schinderei am Berg gelohnt
hat. Jeder hat in Gedanken aber schon ein neues Ziel, Uli Biaho
Tower, Latok, Ogre oder Spantik?
Vielleicht klappt es ja.
INSHALLAH – So Gott will !
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